Auf Facebook führte ich eine Diskussion über Westerwelles Aufforderung, Arbeitslose nun zum Schneeschüppen einsetzen, die ich hier ausschnittsweise wiedergeben will.
“Also ich finde die Idee gar nicht so schlecht. Ich muss auch jeden Tag für mein Geld arbeiten. Und Arbeitslose bekommen ja auch Geld vom Staat und müssen dafür nichts tun! Manche bekommen sogar mehr als Jemand, der arbeiten geht .”
Marco Bülow:
Da muss ich dir leider widersprechen: Arbeitslose haben nur dann mehr, wenn sie vorher ein hohes Gehalt hatten und noch Arbeitslosengeld beziehen. Man sollte lieber darüber nachdenken, warum viele die arbeiten, so wenig Geld bekommt. Warum sind in Dteutschland (anders als sonst in Europa) die durchschnittlichen Reallöhne in den letzten Jahren gesunken? Wir sollten fragen, ob wir noch in einer soziale Marktwirtschaft leben? Warum immer weniger vom erwirtschafteten Wohlstand, auch in Wachstumsphasen profitieren? Arbeitslose zu beschimpfen lenkt nur vor der eigentlichen sozialen Schieflage ab. Westerwelle hat sich einen Teufel um geringe Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen gekümmert. Stattdessen will er spalten und diffamieren!
“Na ich will hier auf gar keinen Fall jemanden beschimpfen! Und ich will auch nicht alle Arbeitslosen über einnen Kamm schären! Ich sage nur, das wenn mann Geld vom Staat bekommt, man dafür auch eine kleine Gegenleistung bringen könnte! Ich bekomme Geld fürs Arbeiten und viele Arbeitslose sitzen zu Hause rum und machen nichts und bekommen auch Geld dafür! Ich sage auch nicht das den Arbeitslosen Geld gekürzt werden soll und das sie zu viel haben! Aber ich bin der Meinung wenn ich jeden Tag arbeiten gehe, sollte ich schon mehr Geld haben!
Mich ärgert aber auch das viele Arbeitslose immer jammern und dann teilweise noch mehr haben als jemand der arbeitet – und dies in drei Schichten. Außerdem bekommen viele Arbeitslose ja auch noch Mietzuschüsse und anderes. Ich muss das alles selber zahlen! Und wenn ich alle Kosten abziehe dann bleibt mir im Monat auch nicht mehr viel zum Leben über!”
Marco Bülow:
Einigen wir uns doch darauf, dass zu viele Menschen die arbeiten gehen, zu wenig Geld für ihre Leistung bekommen. Es sind einige wenige, die wirklich von dem – auch von ihnen – erarbeiteten Mehrwert profitieren.
Ansonsten bleibt es für mich dabei: Es gibt eine Reihe Arbeitslose, die nicht nur einfach zu Hause rumsitzen. Viele Tausende haben einen 1€-Job, arbeiten also für einen minimalen Zuverdienst. Es gibt viele weitere, die eine Bewerbung nach der nächsten schreiben – meist ohne Erfolg und sie bleiben dennoch am Ball, lassen sich umschulen, bilden sich weiter und nutzen jede kleine Chance. Dazu müssen sich alle Arbeitslosen regelmässig melden und sie können Angebote nicht einfach ablehnen (egal wie schlecht sie auch sind).
Ich will gar nicht diejenigen in Schutz, die sich in der Arbeitslosigkeit einrichten – die gibt es sicher auch. Aber bitte nicht alle Pauschal (damit meine ich jetzt Westerwelle und Co) verurteilen. Ich habe genug in meinem Büro sitzen gehabt, die verzweifelt sind und alles tun, um wieder einen Job zu bekommen. Für viele ist es überhaupt nicht behaglich, keine Arbeit zu finden, es schadet das Selbstwertgefühl, wenn man ohne Beschäftigung, ohne Lohn leben muss. Gerade in unserer Gesellschaft definieren sich immer noch viele über ihre Arbeit. Arbeitslose werden häufig ausgegrenzt, diskriminiert und beschimpft.
Dabei gibt es immer mehr Menschen, die wirklich unverschuldet ihren Arbeitsplatz verlieren und die auf Grund Ihres Alters nur schwer wieder eine neue Stelle finden. Oder Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden und damit kaum jemals eine Chance bekommen, einen geregelten Arbeitsplatz zu erhalten.
