Thomas Leif im nr-Dosssier 3/10:

Wer Klartext spricht, legt sich fest und wird überprüfbar. Wer im Allgemeinen und Ungefähren bleibt, kann Festlegungen ausweichen. Die hohe Kunst der sprachlichen Unverbindlichkeit, gestützt auf leere Weichmacher, gilt heute in der politischen Klasse immer noch als besonderer Befähigungsbeweis.

„Die politische Rede ist das stärkste Instrument, um die Autonomie des Politischen zur Geltung zu bringen.“ Prof. Dr. Uwe Pörksen erläutert seine These und die Bedeutung der Sprache für eine orientierende Politik in dieser Disput-Dokumentation.

Erhard Eppler hat bereits vor zwanzig Jahren das vitale Wechselverhältnis von Sprache und Macht in seinem Klassiker „Kavalleriepferde beim Hornsignal“ im einzelnen analysiert. Danach ist kein vergleichbares Buch mehr aus dem Kreis der politischen Klasse erschienen.

Dies mag damit zusammenhängen, dass selbst deren „ghostwriter“ solche Reflexionen für abwegig halten, um so ihr Gefühl der Überforderung zu unterdrücken.

Für Erhard Eppler ist Politik „Benennungshandeln.“ Wenn man dagegen heute die verbreitete Kultur des Nicht-Benennens besichtigt, drängt sich der Eindruck auf, dass der fehlende Kraft für die „Benennung“ wichtiger politischer Projekte eine sprachliche und programmatische Orientierungslosigkeit ausdrückt. Stimmt etwa die Diagnose von Prof. Dr. Josef Klein, die ihn zu einem vernichtenden Urteil der kommunikativen Vermittlung der „Agenda- und Hartz-Politik“ beflügelt hat. Was kann -bezogen auf die realitätsferne „soziale Kälte“ dieser schwach kommunizierten Groß-Reformen- gelernt werden? Frau von der Leyens Gespür für Sprache hat ihr den genialen Einfall beschert, die Hartz IV -Zahlungen für Arbeitslose müssten umbenannt werden. „Ich finde, man darf so ein Wort oder einen Namen nicht von oben verordnen, sondern das muss sich entwickeln.“ (vgl. FAZ, 2.2.2010 „Hartz IV soll schöner werden.“)

vollständiger Text unter: http://www.netzwerkrecherche.de/files/nr-dossier-04.pdf

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