Nov 302011
 

“Aber in Europa, und sogar im wilden Nordamerika der robber barons, entstanden bald legale und soziale Kontrollinstanzen. Dank ihnen gesellte sich zu der gigantischen, nie da gewesenen Fähigkeit, Reichtum zu schaffen, die Fähigkeit, diesen auch relativ demokratisch zu verteilen. Dazu trugen Gewerkschaften und Arbeiterparteien bei und letztlich auch Volksaufstände und soziale Revolutionen.

So wurde der Kapitalismus immer moderater, bis er sich irgendwann in den Kapitalismus »mit menschlichem Antlitz« des Wohlfahrtsstaats verwandelte. Ebenjenen Wohlfahrtsstaat, der heute in der Zwickmühle steckt. Die Kontrollinstanzen sind geschwächt oder gar verschwunden. Zurück bleiben die Ideen der neoliberalen Rechten: Thatcher, Reagan und ihrer Jünger. Gleichzeitig hat der Niedergang des Kommunismus schon längst die Angst vor Revolutionen verdampfen lassen. Erst diese Angst hatte den Wohlfahrtsstaat der Nachkriegszeit möglich gemacht.”

gefunden in: Die Zeit, “Die Dritte Welt ist überall”, 24.11.2011, Nr. 48

Nov 242011
 

Der Anteil der Erneuerbaren Energien nimmt kontinuierlich zu. Bereits 2011 stammen in Deutschland etwa 20% des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der damit verbundene Rückgang fossiler und atomarer Energie aus konventionellen Kraftwerken bringt weitreichende Aufgaben mit sich. Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, Überschüsse aus der erneuerbaren Energieerzeugung zu speichern, um Schwankungen auszugleichen und die dauerhafte Energieversorgung zu gewährleisten.

Hier habe ich einige Fakten zu dem Thema aufgelistet und beschrieben welche Möglichkeiten der Speicherung es bereits gibt.

Welche Technologien stehen bisher für Energiespeicherung zur Verfügung?

-       Für kurz- und mittelfristige Speicherungen sind Technologien wie Pumspeicherkraftwerke oder Druckluftspeicher geeignet.

-       Der Ausgleich von Langzeitfluktuationen stellt eine Herausforderung dar.

  • Pumpspeicherkraftwerke und Co. sind bei einer langfristigen Speicherung nicht wirtschaftlich genug
  • Ein Ausgleich über das europäische Stromverbundnetz ist zwar theoretisch möglich, benötigt aber ebenfalls Speicher und ist mit hohen Kosten und extrem großen Transportkapazitäten verbunden.

-       Volkswirtschaftlich die beste Lösung ist eine Kombination vom Ausbau der Transportkapazitäten und einem regionalen Ausgleich durch Speicher.

-       Bisher sind nur zwei Arten des Langzeitspeichers in der breiten Diskussion:

  • Große Pumpspeicherkapazitäten in Skandinavien, wobei hier sowohl politische als auch technische Fragen der Umsetzung bisher weitgehend ungeklärt sind.
  • Herstellung und Speicherung von Wasserstoff, wobei für diese Art der Speicherung noch keinerlei Infrastruktur vorhanden ist. Die aus der Schaffung nötiger Strukturen entstehenden Kosten sind ebenso wie die generelle technische Umsetzbarkeit fraglich.

-       „Erneuerbares Methan“ (auch Windgas genannt) könnte eine Alternative zu den bisher diskutierten Speichertechnologien darstellen.

Was ist „erneuerbares Methan“ und wie kann es eingesetzt werden?

-       Das EE-Methan Konzept basiert auf einer Kopplung des Stromnetzes mit dem Erdgasnetz.

  • Regenerativer Strom spaltet Wasser über eine Elektrolyse in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff.
  • Der Wasserstoff wird mit Co2  zu Methan konvertiert.
  • Das entstandene EE-Methan kann gespeichert, transportiert und je nach Bedarf in Dampf- oder Dampf- und Druck-Kraftwerken eingesetzt werden.

-       Erfolgt die Rückkopplung dezentral, kann der Nutzungsgrad durch Kraft-Wärme-Kopplung weiter erhöht werden.

-       EE-Methan kann ebenfalls im Wärme- und Transportsektor eingesetzt werden. Als Treibstoff konventioneller PKWs und zur Erhöhung der Reichweite von Elektrofahrzeugen.

-       Aus Wasserstoff und CO2  lassen sich neben Methan noch weitere Kraftstoffe herstellen, z.B Kerosin für Flug-, Schiff- und Güterverkehr.

-       Steht das CO2  zur Verfügung, können etwa 60% des erneuerbaren Stroms als EE-Methan im Erdgasnetz gespeichert werden.

-       Die Speichereffizienz für Strom liegt je nach angewendetem Verfahren bei 28 bis 45%.

Vorteile des EE-Methan gegenüber „konventionellen Speichermedien“

-       Im Gegensatz zum Wasserstoffkonzept kann bei erneuerbarem Methan die vorhandene Erdgas-Infrastruktur genutzt werden. Technologien für Erdgas sind  Stand auf dem der Technik und kommerziell verfügbar.

-       Das Erdgasnetz ist bereits heute der größte vorhandene Energiespeicher in Deutschland.

-       Methan hat eine dreifach höhere Energiedichte und verbraucht somit dreimal weniger Platz als Wasserstoff.

-       Das für die Methan-Herstellung benötigte CO2 kann entweder aus der Luft oder direkt von den CO2-Quellen industrieller Prozesse abgegriffen werden, bevor es an die Luft gelangt.

-      CO2  lässt sich durch Abtrennung bei der Verbrennung von EE-Methan in Gaskraftwerken teilweise recyceln.

Grundlagen des Honigmann-Prozesses

-       Der Prozess basiert auf der Tatsache, dass verschiedene Flüssigkeiten bei unterschiedlichen Temperaturen und Drücken verdampfen.

-       In einem ersten Schritt wird einer konzentrierten Lösung erlaubt Wärme an einen Wassertank abzugeben, wodurch das Wasser im Wassertank verdampft.

-       In einer Expansionsmaschine kann aufgrund des entstehenden Dampfdruckunterschieds mechanische Arbeit produziert werden – Diese Arbeit stellt den Nutzen des Prozesses dar.

-       Der Dampf wird in die konzentrierte Lösung geleitet. Die durch die Aufnahme entstehende Wärme verdampft wiederum mehr Wasser im Tank.

-       Im Verlauf des Prozesses wird die Lösung immer weiter verdünnt, was zur Folge hat, dass sie weniger Arbeit leisten kann. Die Lösung muss also in gewissen Zyklen wieder aufkonzentriert werden.

Welche Vorteile birgt der Honigmann-Prozess?

-       Der Prozess ist sehr flexibel. Ist der Speicher einmal beladen (die Lösung liegt in konzentrierter Form vor), können neben der reinen Speicherung prinzipiell drei verschiedene Energieformen zur Verfügung gestellt werden: Arbeit, Wärme, Kälte.

-       Die Bereitstellung der verschiedenen Energieformen kann zu jedem Zeitpunkt in beliebiger Form erfolgen.

Das Intelligente Brennstoffzelle-Direktspeicher-Hybridsystem

-       Brennstoffzelle und Direktspeicher werden in einem System gebündelt. Ziel des Hybridsystemverbunds ist die Kombination der Vorteile aus den einzelnen Speichertechnologien.

-       Der Direktspeicher dient primär der Abfederung dynamischer Erzeuger- und Verbraucherschwankungen in einem Zeitbereich von Sekunden bis Stunden.

  • Die wichtigste Option für Direktspeicher sind Lithium-Ionen Batterien. Neben Batterien können aber auch elektrochemische Doppel-Kondensatoren (Supercaps) einen Anteil an Direktspeichern bildet.

-       Im Vergleich zur zentralen Energieversorgung haben dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen einen deutlich höheren elektrischen Wirkungsgrad und eine bessere Brennstoffausbeute.

-      Der Wirkungsgrad konventioneller Anlagen liegt bei 30 bis 50%, der von KWK-Anlagen bei um die 80%.

-      Verluste durch lange Transportwege werden vermieden.

Nov 172011
 

Warum wir den Regenwald vor der Ölindustrie retten und dafür neue Wege gehen müssen

Das Paradies auf Erden

Papageienrufe, ein Chor von Tierstimmen und Geräuschen. Dichter, grüner Wald, besprenkelt mit bunten exotischen Blumen. Flüsse voller Fische und Heimat rosafarbender Delfine. So stellen wir uns das Paradies vor, das Urbild Amazoniens, der großen, grünen Lunge Amerikas. Doch das Paradies schrumpft. Etwa ein Fünftel der Waldflächen in Amazonien sind bereits verschwunden und die Rodungen gehen täglich unvermindert weiter.[1] Die wirklich artenreichen Lebensräume werden selbst in Südamerika immer seltener.[2]

Noch gibt es diese wildromantischen Landschaften. Eines dieser letzten Paradiese ist der ecuadorianische Yasuní-Nationalpark im westlichen Amazonasgebiet. Der Park wurde 1989 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Eine internationale Studie[3] hat belegt, dass der Yasuní einer der artenreichsten Gebiete auf der Erde ist: Er beherbergt mehr Baumarten als ganz Nordamerika. Auf einem Baum finden sich mehr Käferarten als in ganz Europa. Fast nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele verschiedene Arten von Amphibien, Vögeln, Säugetieren und Pflanzen. Der Nationalpark ist außerdem der einzige Lebensraum des indigenen Volkes der Huaorani und anderer Stämme, die sich vor der Zivilisation zurückgezogen haben.

Die schwarze Hölle unter der Erde

Alles wäre zumindest hier noch in Ordnung, gäbe es nicht die zunehmende Gier nach dem schwarzen Gold. 850 Millionen Barrel Öl, mit einem geschätzten Wert von über 7 Milliarden Dollar lagern unter dem Paradies.

Was hat Vorrang, Wald oder Öl? Diese Frage stellt sich in einer ökonomisierten Welt nicht mehr. Die Bedeutung für das weltweite Klima, die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt inklusiver vieler unentdeckter Arten und Stoffe, die wahrscheinlich sogar ökonomische Schätze bergen, sind nur schwer bilanzierbar. Der Nutzen bemisst sich nur nach dem einmaligen Verkaufswert des Holzes und des Bodens. Gegen kurzfristigen Profit, den beispielsweise Ölabbau, neue Weideflächen oder Sojaanbau bringen, haben ideelle Werte und auch langfristige Vorteile keine Chance. Daran änderten auch blumige Politikerreden und dutzende internationale Konferenzen und Vereinbarungen nichts.

Das Geschäft mit dem Öl[4] ist häufig dreckig und für viele Bewohner an den Quellen die reinste Hölle. Dennoch hat bisher kein Land auf die Förderung von Erdöl verzichten wollen. Unzählige Pipelines fressen bereits heute Schneisen in den Amazonas-Regenwald. Für ihren Bau sind zehntausende Ureinwohner vertrieben worden. Überall brennen Gasflammen, aus vielen der Rohre tritt Öl aus. Es verseucht die Flüsse, die Tiere und Pflanzen und das Grundwasser. Das Öl enthält krebserregende Stoffe und radioaktive Elemente, sein Schwefeldioxid kann Lungen- und Kehlkopfkrebs sowie Missbildungen zur Folge haben. Mehrere Studien über die Gesundheitsrisiken der Bevölkerung in den Ölförderregionen haben ergeben, dass dort das Krebsrisiko mehr als drei Mal höher ist als üblich. Die Rate der Fehlgeburten liegt zweieinhalbmal so hoch.[5] Und es wird immer weiter abgeholzt. Allein Ecuador verliert in jedem Jahr rund 150.000 Hektar Wald, 80 Prozent des ecuadorianischen Regenwaldes sind bereits verschwunden.

Ein moralisches Angebot

Doch auf einmal gibt es einen ungewöhnlichen, beispiellosen Vorstoß der ecuadorianischen Regierung: Die sogenannte ITT-Initiative (ITT: benannt nach den drei Ölquellen Ishpingo, Tambococha, Tiputini). Der Vorschlag: Ecuador schützt Yasuní und verzichtet auf die Hälfte des Profits der Ölverkäufe. Die andere Hälfte soll die internationale Gemeinschaft beisteuern. Der Wald bleibt, das Öl auch. Durch den Verzicht auf die Förderung werden insgesamt 1.200  Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden, weitere 800 Millionen Tonnen CO2 durch die nicht stattfindenden Abholzungen. Das wäre ein Paradigmenwechsel mit Vorbildcharakter. Ecuador könnte einen wichtigen Beitrag für den Schutz des Klimas, der Umwelt und für seine indigenen Völker leisten.

Die ITT-Initiative ist weltweit einzigartig und bietet einen innovativen Ansatz. Anders als der bisher von vielen Staaten favorisierte sogenannte REDD-Mechanismus[6], der lediglich einen finanziellen Ausgleich für die Verringerung der Entwaldung gewährleisten soll, vereint sie nämlich drei Ziele: Klimaschutz durch die Nichtausbeutung fossiler Brennstoffe und damit vermiedene Emissionen, Erhalt der Artenvielfalt und Schutz der indigenen Völker. Das Geld – schätzungsweise 3,6 Mrd. US-Dollar in 13 Jahren – soll verwaltet von den Vereinten Nationen in einem Treuhandfonds gesammelt werden. Das Geld aus dem Fonds soll ausschließlich zur Finanzierung nachhaltiger Projekte in Ecuador verwendet, die Bevölkerung dabei aktiv mit einbezogen werden. 100 Millionen Dollar sollen dieses Jahr noch zusammenkommen, damit das Projekt „Waldrettung“ gestartet werden kann. Ansonsten stehen nächstes Jahr die Ölfirmen und Bagger vor der Tür. Mit Chile und Spanien haben die ersten Länder in den Fonds eingezahlt, bisher ist etwa die Hälfte der Summe für dieses Jahr erreicht.

Deutschland: Vom Förderer zum Blockierer

Deutschland gehörte lange zu den Unterstützern und Antreibern des Projektes. Als ich selbst vor Jahren von der Yasuní-Initiative hörte, war ich gleich eingenommen von der Idee – hatte ich doch vorher bei zahlreichen Konferenzen erlebt, wie mühselig irgendwelche Beschlüsse zum Wald- oder Klimaschutz vorankamen. Vereinbarungen waren meist freiwillig und unverbindlich. Einige Abgeordnete unterstützten das Projekt von Beginn an und 2008 sprach sich der Deutsche Bundestag fraktionsübergreifend für eine finanzielle Beteiligung aus.[7] Heidemarie Wieczorek-Zeul und das zuständige Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) stellten 50 Millionen Euro jährlich für die ITT-Initiative in Aussicht.

Dann kam der Regierungswechsel und mit ihm der FDP-Politiker Dirk Niebel an die Spitze des BMZ. Er hielt und hält gar nichts von der Initiative und fühlt sich an Bundestagsbeschlüsse nicht gebunden. Bislang konnte ihn nichts umstimmen: Weder der Aufschrei unzähliger Umweltverbände und der ecuadorianischen Regierung, noch ein Votum des Umweltausschusses, in dem sich vor kurzem die Opposition bei einer Abstimmung über das Projekt durchsetzte. Er blockiert die Freigabe der Gelder vehement und sendet damit ein fatales Signal an viele andere Länder, die Interesse signalisieren und darauf warten, was Deutschland macht. Die Gegenargumente sind stumpf, teilweise sogar lächerlich. Allen Ernstes behauptete die Umwelt-Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser im Umweltausschuss, dass dann auch andere Länder – wie beispielsweise Saudi Arabien – berechtigt seien, ähnliche Forderungen zu stellen, um eigene Ölreserven im Boden zu lassen. Erstens ist das ecuadorianische Angebot bisher einzigartig, zweitens entscheiden wir immer wieder souverän, wenn wir Gelder bereitstellen und drittens ist Yasunís Artenvielfalt weltweit höchst selten. Der Vergleich mit dem „so artenreichen“ Saudi Arabien zeigt die Lächerlichkeit der Debatte.

Sicher kann man generell unkonventionelle Wege ablehnen, doch dann muss man zugeben, dass man die Zerstörung von Ecuadors Naturparadies zulässt. Meine Erfahrung zeigt mir, dass wir erst dann helfen, wenn es zu spät ist – wenn der Wald abgeholzt, die indigenen Stämme vertrieben, die Tiere und Pflanzen vernichtet und die Böden verseucht wurden. Dann werden Gelder fließen, um einen kleinen Teil des Waldes teuer und mühsam wieder aufzuforsten. Das ehemalige Naturparadies wird man damit nicht wieder bekommen, doch so sieht die Entwicklungspolitik leider meistens aus.

Was tun?

Deutschland muss jetzt handeln und Haushaltsmittel für das Projekt bereitstellen. Dann wären die 100 Millionen Dollar für dieses Jahr zusammen und die Initiative könnte in die Realität umgesetzt werden. Ansonsten rollen bald die Bagger. Natürlich muss gewährleistet werden, dass das Geld wirklich an die richtige Stelle fließt und Yasuní dauerhaft bewahrt wird. Doch unter der Treuhand der UN, mit der Garantie der Rückzahlung, wenn eine neue Regierung in Ecuador den Vorschlag zurückzieht, ist die Initiative kein Abenteuer. Ein Restrisiko bleibt, aber das gilt für alle Entwicklungshilfemaßnahmen.

Auch eine Reihe von Unionsabgeordneten wollen Yasuní bewahren. Wir haben und werden im Bundestag versuchen, unsere Kollegen von Union und FDP dazu zu bewegen, ihre Regierung umzustimmen oder zu überstimmen. Es kann doch nicht sein, dass ein Minister ein gesamtes Parlament überstimmt und die Regeln bestimmt. Hier gibt es die Chance zu zeigen, dass das Parlament nicht per se machtlos sondern in der Lage ist, der Regierung Aufträge zu erteilen. Aber auch der öffentliche Druck muss zunehmen. Jeder sollte sich den Aktionen[8] anschließen und seine Abgeordnete und vor allem den zuständigen Minister zum Handeln auffordern.

So wichtig der Yasuní-Nationalpark auch ist, insgesamt müssen wir unseren Umgang mit den letzten Urwäldern und Naturparadiesen auf der anderen Seite radikal verändern. Gerade wir Europäer sind mitverantwortlich dafür, auch die Wälder in Afrika, Asien und Südamerika zu bewahren. Bisher hat die Weltgemeinschaft – wie beim gesamten Klimaschutz – versagt. Yasuní bietet uns die Chance, voran zu kommen, nicht auf den letzten Blockierer zu warten. Wir müssen mehr unkonventionelle Maßnahmen ergreifen und mit denen voran gehen, die begreifen, dass wir keine zweite Welt mehr in der Tasche haben.

 


[1] Ginge es mit der Waldrodung so weiter wie bisher, würde sich der Regenwald am Amazonas bis zum Jahr 2030 um weitere 20 Prozent verkleinern.

[3] Unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)

[4] siehe zum Thema das von mir erstellte Öl-Dossier (http://www.marco-buelow.de/uploads/media/Marco_Buelow_Oel-Dossier_2011.pdf)

[5] Texaco wird vorgeworfen, 30 Jahre lang Regenwaldflächen im ecuadorianischem Amazonasbecken mit Milliarden Litern giftiger Abwässer und rund 60.000 Tonnen Schweröl verpestet zu haben (Quelle: GEO, 08/2010, S. 20).

[6] REDD = Reducing Emissions from Deforestation and Degradation, dt.: Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung

[8] z.B. von Rettet den Regenwald e.V.: https://www.regenwald.org/aktion/752/nationalpark-yasuni-in-ecuador-leben-statt-ol

 

dieser Artikel ist in einer leicht gekürzeten Version unter dem Titel “Das Paradies auf Erden” in der Ausgabe 45/11 des Freitag erschienen (http://www.freitag.de/positionen/1145-das-paradies-auf-erden)

Nov 102011
 

Vielen ist die Bedeutung des Themas Lebensmittelverschwendung nicht bewusst, da wichtige Fakten in der öffentlichen Diskussion selten bis gar nicht auftauchen.

Während die Menschen in Deutschland, Europa und der westlichen Welt eine Mentalität der Verschwendung leben, sterben die Menschen in anderen Teilen der Welt an Unterernährung.

Lebensmittelverschwendung – ökologisch und ökonomisch

  • Die Hälfte der weltweit erzeugten Lebensmittel landet auf dem Müll – ein Großteil wäre noch genießbar.
  • Jeder Deutsche schmeißt jährlich durchschnittlich 95kg Lebensmittel weg – Produkte im Wert von etwa 400€, das entspricht in Deutschland einem Wert von 20 Milliarden €.
  • Die weggeschmissene Lebensmittel Europas würden reichen um alle Hungernden der Welt 2x zu ernähren.

Ursachen für die Verschwendung von Lebensmitteln

  • Die Wertschätzung für Lebensmittel ist gesunken, auch weil die die Erfahrung der Lebensmittelknappheit der Nachkriegsjahre verblasst ist.
  • Viele Menschen habe verlernt bzw. nie gelernt sich aus Resten eine neue Mahlzeit zu bereiten.
  • Lebensmittel sind Massenware
    • Es gibt ein Überangebot und Discounter unterbieten sich gegenseitig in Preisen
    • Gaben die deutschen in den 60er Jahren noch durchschnittlich 40% ihres Einkommens für Ernährung aus, sind es heute nur 10% (In Frankreich etwa 30%).
    • Milch kostet mittlerweile weniger als so manches Markenwasser
  • Der Verbraucher möchte perfekte Produkt haben (ist ein Blatt faulig wird der ganze Kopfsalat entsorgt, Äpfel mit Druckstellen bleiben um Regal liegen, weil sie nicht gekauft werden).
  • Mindesthaltbarkeitsdaten werden von der Industrie künstlich kurz bemessen. Lediglich Fleisch-, Fisch- und Eierprodukten haben ein Haltbarkeitsdatum im klassischen Sinne, bei den übrigen Produkten werden lediglich gewisse Produkteigenschaften (z.B. Cremigkeit eines Jogurts) zeitlich begrenzt.

Entsorgung von Nahrung bedeutet Verschwendung von natürlichen Ressourcen

  • 1/3 der emittierten Klimagase werden in der Landwirtschaft produziert. Da etwa die Hälfte der landwirtschaftlichen Erzeugnisse weggeschmissen werden, werden etwa 15-20% der Klimagase bei der Herstellung von Lebensmittel-Müll erzeugt.
  • 1/4  des weltweiten Wasserverbrauchs wird für die Produktion von Lebensmitteln verwendet, die anschließend weggeschmissen werden.

Ressourcenverschwendung – Vom Produzenten zum Endverbraucher

  • Jeder zweite Kopfsalat und jedes fünfte Brot wird weggeworfen. Alleine beim Brot entspricht das 500.000 Tonnen Verschwendung in Deutschland.
  • Die meisten Lebensmittel werden aussortiert bevor sie den Endverbraucher erreichen – das System der Verschwendung fängt bereits auf den Ackern an und zieht sich durch die Gesamte Lieferkette.
  • Prozentuale Verluste im Laufe der Produktionskette:
    • Milchprodukte 12,7% ‌
    • Obst u. Gemüse 56%
    • Fleisch 23,8%
    • Getreide 43,5%
  • Ein Großteil der Landwirtschaftlichen Produkte wird bereits auf dem Acker aus optischen Gründen zurückgelassen (der Ausschuss bei Kartoffeln liegt alleine auf dem Acker bei 40-50%).

Wie kann man der Verschwendung entgegenwirken und welche Perspektiven gibt es?

  • Wird viel auf Vorrat gekauft, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass am Ende ein Teil auf dem Müll landet. Einkäufe sollten individueller an den aktuellen Bedarf angepasst werden.
  • Supermärkte sollten ihr Angebot gegen Abend und zum Wochenende hin ausdünnen, um weniger frische Waren am ende des Tages/der Woche wegschmeißen zu müssen.
  • Nähert sich ein Produkt dem Mindesthaltbarkeitsdatum, sollte durch eine Reduzierung ein weiterer Kaufanreiz geschafft werden.
  • Für Händler darf es nicht günstiger sein Lebensmittel wegzuwerfen statt diese reduziert zu verkaufen. Eine Halbierung des Lebensmittelmülls wäre möglich.