Jan 192012
 

Knapp ein Jahr nach der Reaktor-Katastrophe im japanischen Fukushima weiß man immer noch nicht was für genaue Auswirkungen sie hat. Klar ist aber heute schon, dass ein riesiges Gebiet atomar verseucht wurde, dass unzählige Menschen gezwungen sind sich woanders eine neue Existenz aufzubauen und auch die Wirtschaf leidet. In Deutschland reißt die Diskussion um die Ausgestaltung der Energiewende trotz Atomausstieg nicht ab. In Europa wird sogar über den Neubau von Atomkraftwerken nachgedacht und werden weiterhin Unsummen an Geld an die Erforschung der Atomtechnologie gesteckt.

Bis heute erreichen mich Briefe und Mails von Bürger/innen zur Katastrophe in Fukushima. Die meisten von ihnen sind und waren bestürzt, sprechen den Opfern ihre Anteilnahme aus und machen sich Sorgen über die Nutzung der Atomenergie auch in Deutschland. Leider gibt es auch immer einige wenige, die selbst im Angesicht eines solch schrecklichen Ereignisses nicht davon ablassen können durch Tatsachenverdrehung und Verharmlosung ihre eigene tendenziöse Meinung zu verbreiten. Um darzulegen, mit welchen Ansichten man es teilweise zu tun hat und wie ich darauf reagiere, möchte ich nachfolgend einige Auszüge aus einer Mail und meiner Antwort darauf zitieren:

Bürgermail vom 28. November 2011, Betreff: Das deutsche Fukushima-Desaster

Sehr geehrter Herr Bülow,

Vor einigen Monaten hat der Bundestag entschieden, die Kernenergie in Deutschland abzuschaffen, die Kraftwerke stillzulegen und deren Betreiber damit faktisch – unter Bruch des Art. 14 GG -entschädigungslos zu enteignen. Begründet wurde dies mit der Fukushima-Krise und den daraus angeblich gewonnenen neuen Sichtweisen. Aber legen die Ereignisse in Japan wirklich einen „Ausstieg“ nahe? Oder beweisen sie vielleicht das genaue Gegenteil, daß nämlich bei den bei uns benutzten Reaktortypen selbst ein „Multi-SuperGAU“ glimpflich verläuft? Und daß er bei Vorhandensein der in Deutschland oder der Schweiz üblichen Sicherheitsvorkehrungen in Japan gar nicht entstanden wäre? (…)

Mit freundlichen Grüßen

(…)

Meine Antwort vom 29. Januar 2012:

Sehr geehrter Herr (…),

(…)

Sie werden Verständnis haben, dass ich nicht im Einzelnen auf diesen tendenziösen Report eingehen werde. Ich bin immer bereit, mich mit Analysen und Studien zu befassen, deren Ergebnis nicht ins politische „Kalkül“ passt oder in denen es Erkenntnisse gibt, die meinen bisherigen Ansichten widersprechen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass den Verfassern an einer objektiven Betrachtung und Untersuchung gelegen war. Wenn das Ziel aber ist, vorgefertigte Meinungen zu bestätigen oder bestimmten Interessen zu dienen, dann kann ich solche Studien nicht Ernst nehmen.

Ein kurzer Blick auf Ihren Report reicht, um zu sehen, dass es nicht Ihre Intention war sich dem Thema auch nur ansatzweise objektiv zu nähern. Allein folgender Absatz aus Ihrem Report zeigt, dass Ihnen an Objektivität nicht gelegen war und ihr Ansatz klar nur bestimmten Interessen dient:

„Offenbar ist das politische Deutschland wild entschlossen, seine leistungsstärksten Kraftwerke zu opfern und auf deren sehr günstige Produktionskosten zu verzichten. Aber gibt es dafür – abgesehen vom Kalkül der Parteiführer und den Profitinteressen der Windmühlzunft – überhaupt einen zwingenden Grund? Oder beobachten wir gerade einen weiteren Akt des Dramas „Deutschland schafft sich ab“ (Fußnote: Thilo Sarrazins genialer Buchtitel ruft hier förmlich nach einer Erwähnung) – diesmal durch vom Staat mutwillig hochgetriebene Energiekosten?“

Sie können von mir demnach nicht ernsthaft eine Auseinandersetzung mit ihren „Ergebnissen“ erwarten.

Ganz unglaublich finde ich, wie Sie den Unfall in Fukushima herunterspielen. Diesen als glimpflich zu bezeichnen, ist beschämend. Tausende Menschen mussten evakuiert werden und können nie wieder in ihre Heimat zurückkehren. Die schlimmen Folgen des Tsunamis kann man mit viel Aufwand versuchen zu beseitigen, die Verstrahlung der Region bleibt. Die Betroffenen haben daher nicht nur Ihr Hab und Gut verloren, sondern sind gezwungen woanders ein neues Leben aufzubauen. Ihre Heimat ist für sie für immer verloren. Die Menschen haben damit ihre Wurzeln und viele Bindungen verloren. Zudem leben sie dauerhaft in der ständigen Angst, dass die erhöhte Strahlenbelastung gesundheitliche Folgen hat.

Ich habe mich mit Opfern aus Fukushima getroffen und kenne ihre Berichte. Dies waren sehr bewegende Momente. Vielleicht sollten Sie sich auch einmal mit Opfern treffen anstatt aus der Ferne deren Schicksal kühl und überheblich herunter zu spielen.

Mit freundlichen Grüßen

Marco Bülow