Mehr als 500 Energieversorgungsunternehmen haben für das Jahr 2011 eine Erhöhung ihrer Strompreise angekündigt. Begründet wird das durchweg mit der Erhöhung der Umlage für die Erneuerbaren Energien (Hintergründe zur EEG-Umlage am Ende des Papiers). Jede Kilowattstunde Strom, die aus Erneuerbaren Energien produziert wird, erhält eine gesetzlich festgelegte Vergütung. Diese zusätzlichen Kosten werden nun in der Regel von den Energieversorgungsunternehmen an die Kunden weitergegeben. Doch viele Versorgungsunternehmen erhöhen ihre Preise weit über dem Zuwachs der EEG-Umlage.
Strompreiserhöhungen in Deutschland:
Verschiedene Studien haben belegt, dass die Erhöhungen der Strompreise nicht mit erhöhten Beschaffungskosten der Stromanbieter und nur teilweise mit der Erhöhung der EEG-Umlage zu begründen sind.
Ist die EEG-Umlage an den Strompreiserhöhungen Schuld?:
Rechenbeispiel:
2010 ist die EEG-Umlage auf 2,05 Cent/kWh festgesetzt worden. Nach Angaben des Energiekonzern RWE war dies eine Steigerung um 55%. Dies entsprach somit einer Erhöhung von 0,73 Cent/kWh absolut. Gleichzeitig erhöhte RWE die Strompreise um das doppelte, nämlich um 1,5 Cent/kWh.
Die EEG-Umlage rechtfertigt demnach eine Kostensteigerung – aber nicht wie im getätigten Maße.
Entwicklung der Strombeschaffungskosten:
Der Strom wird in der Regel an der Leipziger Strombörse (EEX) gehandelt. Sie gilt sowohl in Deutschland als auch in ganz Mitteleuropa als wichtigster Referenzmarkt.
Die Preise für Strom sind an der EEX seit der Wirtschaftskrise im Herbst 2008 enorm gesunken. Das Gutachten „Gerechtfertigte Strompreiserhöhungen?“ hat ergeben, dass diese stark gesunkenen Strompreise nicht an die Kunden weitergegeben wurden.
Im Gegenteil: die Preise für Strom sind in Deutschland in den letzten Jahren mehr als viermal so stark gestiegen wie im europäischen Vergleich. Gleichzeitig sind die Preise an der Strombörse (EEX) um 30-40% gesunken.
Strompreise steigen auch durch mangelnden Wettbewerb:
Günstige Beschaffungskosten werden also nicht weitergegeben, zusätzliche Belastungen wie die EEG-Umlage aber für Preiserhöhungen genutzt. Somit zeigt sich, dass Stromanbieter wie RWE, E.ON, Vattenfall oder EnBW sich die zusätzlichen Gewinne einstecken. Die Erhöhung der EEG-Umlage erklärt also nicht die ansteigenden Strompreise.
Das diese dennoch steigen, wird auf den ungenügenden Wettbewerb auf dem Strommarkt zurückgeführt. Zusätzliche Stromproduktionskapazitäten, wie durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien, und die Etablierung neuer Anbieter auf dem Markt sorgen hingegen für mehr Wettbewerb und drücken somit auf Dauer die Preise.
Fazit zu den Strompreiserhöhungen:
- Die meisten Strompreiserhöhungen für Haushaltskunden in den letzten Monaten sind nicht nachvollziehbar.
- Die angegebenen Gründe – höhere Beschaffungskosten von Strom und gestiegene EEG-Umlage – rechtfertigen die Strompreiserhöhungen nicht, denn die Preise für Strom an der Börse sind in den letzten Jahren enorm gesunken.
- Die Preise für eine Kilowattstunde müssten eigentlich sinken, weil die Senkung der Strombeschaffungskosten die Erhöhung der EEG-Umlage mehr als wettmacht – stattdessen erwirtschaften viele Energieversorgungsunternehmen zusätzliche Gewinne.
- Im letzten Jahr haben die Stromkunden durch nicht nachvollziehbare Preiserhöhungen rund 1 Milliarde Euro zu viel an die Energieversorger gezahlt.
- In den vergangenen Jahren sind die Strompreise in Deutschland viermal so stark angestiegen wie in anderen europäischen Ländern. Dies ist durch die Oligopolstellung der großen vier Energieversorger und durch den Mangel an Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt zu erklären. Gemeinsam haben Eon, RWE, EnBW und Vattenfall einen Anteil von rund 80% am Strommarkt. Dadurch wird ein Wettbewerb der sich preisdämpfend auswirken würde verhindert.
- Die Bundesnetzagentur verweist in ihrem Monitoring-Bericht zu den Entwicklungen des Strom- und Gasmarktes darauf hin, „dass es im Bereich der Haushaltskunden, also bei gut einem Viertel des deutschen Elektrizitätsmarktes, noch keinen ausrechend ausgeprägten Wettbewerb gibt“ , „erst das Auftreten von neuen Anbietern hat zur Belebung des Wettbewerbs beigetragen“
Hintergrund EEG-Umlage:
Strom aus Erneuerbaren Energien wird nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) vorrangig in das Stromnetz eingepreist und zu festen Sätzen vergütet. Die EEG-Umlage bezeichnet die Differenz zwischen der Summe aller für erneuerbaren Strom gezahlten Vergütungen und den Kosten, die entstanden wären, wenn diese erneuerbare Strommenge zu den durchschnittlichen Strombörsenpreisen hätte beschafft werden müssen.
2011 ist die EEG-Umlage auf 3,53 Cent/kWh angestiegen (EEG-Umlage 2010: 2,047 cent/kWh). Dies ist hauptsächlich auf den enormen Zuwachs von Photovoltaik-Anlagen zurückzuführen, aber auch durch den Bau von Off-Shore-Windparks.
2009 sind mit dem EEG Zusatzkosten von rund 4,6 Milliarden Euro angefallen – für jeden Bürger und jede Bürgerin ca. 15 Cent am Tag. Der Höhepunkt wird voraussichtlich im Jahr 2016 erreicht werden. Danach wird die Umlage wieder sinken.
Es gilt auch festzuhalten, dass bislang noch keine Energieform ohne finanzielle Hilfen durch Umlagen oder Subventionen ausgekommen ist. So wird die Atomkraft noch heute mit hohen Beiträgen vom Steuerzahler subventioniert. Verschiedene Studien gehen von Subventionen der Steuerzahler seit der friedlichen Nutzung der Atomenergie in den 50er Jahren in Deutschland von 45-200 Milliarden Euro aus. Heute setzen sich die Kosten vor allem aus Geldern für die Entsorgung und Endlagerung des Atommülls zusammen.
Wozu dient die EEG-Umlage?
Die EEG-Umlage dient als Instrument zur Markteinführung von Erneuerbaren Energien. Durch sie werden Erneuerbare Energien schneller wettbewerbsfähig.
Durch die EEG-Umlage …
… wird der Ausbau der Erneuerbaren Energien gefördert.
… werden die Erneuerbaren Energien auf Dauer immer günstiger, weil sie nicht von teuren Rohstoffen abhängig sind und eine verbesserte Technik und Effizienz, die Kosten immer weiter senkt.
… wird der Stromhandelspreis an der Leipziger Börse (EEX) gesenkt, indem teure konventionelle Kraftwerke vom Markt verdrängt werden.
… werden Rohstoffimporte eingespart und Umweltschäden in Milliardenhöhe vermieden. Diese sogenannten externen Kosten, die zwar nicht auf der Stromrechnung auftauchen, aber von allen Bürgern gezahlt werden müssen, beliefen sich im Jahr 2009 auf rund 8 Milliarden Euro. Erneuerbare Energien sind im Gegensatz zu fossilen Energieträgern (Kohle, Gas, Öl, Uran) nahezu unendlich und produzieren Energie mit steigender Effizienz immer kostengünstiger.
… werden in den kommenden Jahren zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen. Bereits heute arbeiten 400.000 Menschen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Dies hat vor allem bei Kleinbetrieben und dem Mittelstand einen riesigen Boom ausgelöst. Mit der Umlage wird somit ein Markt gefördert, in dem bereits heute die deutsche Technik ein Exportschlager ist.
… wird der Strommarkt für die Kunden deutlich transparenter und nachvollziehbarer als bei den undurchsichtigen und teuren Subventionierungen der Atomkraft und des Steinkohlebergbaus.
Dieses Infopapier ist auch auf meiner Homepage als PDF-Datei zu erhalten.
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