Fundstücke

Interessante Zitate, Videos oder Auszüge aus Texten und Interviews

Aug 122010
 

“Auch die Mehrheit der Deutschen will, dass die Atomkraftwerke im Land schnellstmöglich vom Netz genommen werden. In einer am [28.04.2010] veröffentlichten repräsentativen Emnid-Umfrage, die vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima in Auftrag gegeben worden war, sprachen sich mit 63 Prozent fast zwei Drittel der Befragten für einen schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomenergie aus. Zugleich habe eine Mehrheit die Weiterentwicklung und Erforschung erneuerbarer Energien gefordert. ”

Quelle: die Tageszeitung, 29.04.2010, Seite 09 (http://www.taz.de/pt/2010/04/29/a0201.nf/text)

Jul 292010
 

Thomas Leif im nr-Dosssier 3/10:

Wer Klartext spricht, legt sich fest und wird überprüfbar. Wer im Allgemeinen und Ungefähren bleibt, kann Festlegungen ausweichen. Die hohe Kunst der sprachlichen Unverbindlichkeit, gestützt auf leere Weichmacher, gilt heute in der politischen Klasse immer noch als besonderer Befähigungsbeweis.

„Die politische Rede ist das stärkste Instrument, um die Autonomie des Politischen zur Geltung zu bringen.“ Prof. Dr. Uwe Pörksen erläutert seine These und die Bedeutung der Sprache für eine orientierende Politik in dieser Disput-Dokumentation.

Erhard Eppler hat bereits vor zwanzig Jahren das vitale Wechselverhältnis von Sprache und Macht in seinem Klassiker „Kavalleriepferde beim Hornsignal“ im einzelnen analysiert. Danach ist kein vergleichbares Buch mehr aus dem Kreis der politischen Klasse erschienen.

Dies mag damit zusammenhängen, dass selbst deren „ghostwriter“ solche Reflexionen für abwegig halten, um so ihr Gefühl der Überforderung zu unterdrücken.

Für Erhard Eppler ist Politik „Benennungshandeln.“ Wenn man dagegen heute die verbreitete Kultur des Nicht-Benennens besichtigt, drängt sich der Eindruck auf, dass der fehlende Kraft für die „Benennung“ wichtiger politischer Projekte eine sprachliche und programmatische Orientierungslosigkeit ausdrückt. Stimmt etwa die Diagnose von Prof. Dr. Josef Klein, die ihn zu einem vernichtenden Urteil der kommunikativen Vermittlung der „Agenda- und Hartz-Politik“ beflügelt hat. Was kann -bezogen auf die realitätsferne „soziale Kälte“ dieser schwach kommunizierten Groß-Reformen- gelernt werden? Frau von der Leyens Gespür für Sprache hat ihr den genialen Einfall beschert, die Hartz IV -Zahlungen für Arbeitslose müssten umbenannt werden. „Ich finde, man darf so ein Wort oder einen Namen nicht von oben verordnen, sondern das muss sich entwickeln.“ (vgl. FAZ, 2.2.2010 „Hartz IV soll schöner werden.“)

vollständiger Text unter: http://www.netzwerkrecherche.de/files/nr-dossier-04.pdf

Jul 222010
 

“Deutschlands Parteien altern noch schneller als die Gesamtbevölkerung. Das ergibt eine Studie des Deutschen Zentrums für Alterfragen (DZA). Demnach ist rund die Hälfte der Parteimitglieder von SPD, CDU und Linken älter als 60 Jahre. Nur fünf bis sechs Prozent der Mitglieder seien jünger als 30 Jahre. Nur die Grünen weisen eine deutlich andere Altersstruktur auf: Über 13 Prozent ihrer Mitglieder sind unter 30. Bei der FDP ist das immerhin noch jeder Zehnte. Der Bundestag ist etwas jünger als die Parteien: Das Durchschnittsalter der Abgeordneten liegt dort bei 50 Jahren.” (www.dza.de)

Quelle: Politik & Kommunikation März 2010 S. 7

Jul 152010
 

Auszug aus dem Artikel “Schluss mit rücksichtslos” von Michael Jäger (der Freitag, 8. Juli 2010)

“(…) Auf diesem Planeten verhungern täglich um 25.000 Menschen, jeden Tag also wird die körperliche Unversehrtheit auf massivste Weise 25.000 Mal vernichtet. Ich, dessen Körper unversehrt bleibt, weil ich in einem Staat mit relativ hohem Menschenrechtsstandard lebe, lebe gleichwohl nicht in einer planetarischen Ordnung, die dasselbe auch allen anderen Menschen ermöglicht.

Man sieht daran, dass es tatsächlich nicht angeht, Menschenrechte auf Abwehrrechte zu reduzieren, also darauf, dass „der Staat sich nicht einmischen soll“. Das Gegenteil ist richtig. Es ist verlogen, wenn ein reicher Staat seine bessere Menschenrechtssituation gegen die schlechtere eines armen Staates ausspielt. Denn „der Mensch“ ist ein internationales Wesen. Es war schon fragwürdig, dass einst der „Sozialismus in einem Lande“ versucht wurde. Nicht fragwürdig, sondern verrückt wäre die Rede von „Menschenrechten in einem Lande“. Wer beim Wort „Menschenrechte“ nicht an das Individuum denkt, das in afrikanischer Ödnis vergebens nach Nahrung sucht, soll es nicht in den Mund nehmen.  (…)”

Den vollständigen Artikel findet man unter: http://www.freitag.de/kultur/1027-schluss-mit-r-cksichtslos

Jul 062010
 

Ignacio Ramonet (spanischer Journalist und Mitorganisator des Weltsozialforums) schrieb schon 1987 in Le Monde:

“Es ist eine Demütigung der Nationalstaaten, als die maßgeblichen Garanten von Demokratie und Allgemeinwohl, dass sich die Finanzwelt längst einen eigenen Staat geschaffen habe – einen supranationalen Staat, der über eigenen Apperat, eigene Beziehungsgeflechte und eigene Handlungsmöglichkeiten verfügt.”

Jul 012010
 

Bundespräsident Gustav W. Heinemann bei der Arbeitertagung der IG Metall für die BRD, 1972:

“Wir stehen inmitten stürmischer industrieller Revolution und steigenden zivilisatorischen Wohlstands in freilich nur begrenzten Bezirken unserer Welt. Der Kongress ruft zu einer Besinnung darüber, ob wir auf richtigen Wegen sind. Was wird das für ein Leben sein, wenn wir so weitermachen wie bisher? Haben wir insbesondere nicht viel zu lange manche Kosten unsers Wohlstandes in den Industrieländern auf die Umwelt abgewälzt, in der wir nun zu ersticken drohen? Haben wir nicht viel zu optimistisch, ja geradezu leichtsinnig manches nur als Fortschritt angesehen, was seine schweren Schattenseiten hat? […]

Darüber hinaus müssen wir uns der Frage stellen, ob die Erde nicht in einen katastrophalen Zustand geraten wird, wenn die Bevölkerungsexplosion anhält und wenn die Menschheit die nicht vermehrbaren Naturschätze weiterhin in steigender Beschleunigung so in Anspruch nimmt, wie sie es zu tun im Begriff ist. Das Tempo, das die unsere Luft, das Wasser, die Erde verseuchenden Einflüsse sowie der Abbau lebenswichtiger Rohstoffe angenommen haben, ist erschreckend. […]

Die junge Generation kritisiert mit Recht das Ausmaß unserer Gedankenlosigkeiten. Es ist an der Zeit, deutlich zu machen und auszusprechen, dass sich niemand mehrt der durchgreifenden Überprüfung unserer Lebensgrundlagen und unserer Wertvorstellungen entziehen kann. […]

Um der Zukunft derer willen, die unsere Kinder und Enkel sind, müssen wir alle bereit sein, anzuhalten und, wo nötig, zurückzustecken. Lebensführung und Lebensstandard der Industrievölker im ganzen können fragwürdig werden. […]

Nur wenn die Verantwortlichen von breiter Zustimmung getragen werden, kann es gelingen, Widerstände gegen Änderungen zu überwinden. […]

Menschengeist und Tatkraft haben die Elemente frei gemacht. Menschengeist und Tatkraft können sie bändigen. Ich wünsche dem Kongress, dass er unser aller Bewusstsein und unser aller Entschlossenheit stärke!”

Jun 222010
 

Auszug aus dem Artikel “Das Netz gehört uns”  von Jens Jessen (Die Zeit, April 2010)

“An das Internet knüpfen sich seit seiner öffentlichen Zugänglichkeit große Hoffnungen und große Befürchtungen. Die meisten von ihnen sind beruhigender weise völlig haltlos.

[…]

Erstens kann die Freiheit von Zensur und Verboten nicht mehr aufrechterhalten werden, wenn auch Kriminelle den Kontinent besiedeln. Ein Minimum an Rechtsschutz, wie er sonst von Staaten seinen Bürgern garantiert wird, muss auch im Internet geboren werden. Wenn man sich darauf einigen könnte, und das heißt auch darauf, dass geistiges Eigentum nicht beliebigem Diebstahl ausgesetzt wird, wären viele Streitpunkte zwischen Einheimischen und Einwanderern beseitigt.
Und zweitens, damit zusammenhängend, müsste akzeptiert werden, dass Informations- und Gedankenware höherer Qualität auch im Netz nicht umsonst zu haben sein kann. Professionelle Anstrengungen lassen sich durch Werbung nicht allein finanzieren – einmal abgesehen von dem unerwünschten Einfluss, den solche ausschließliche Abhängigkeit auf die Inhalte haben kann. Schon jetzt muss man sich fragen, ob die Suchmaschinen im Netz sich wirklich den nichtzahlenden Nutzern oder nicht vielmehr nur der zahlenden Werbewirtschaft verpflichtet fühlen.

[…]

Denn das Netz gehört nicht den fremdenfeindlichen Natives und nicht den Digital Residents in ihrer Arroganz – das Netz gehört uns allen. Wir alle können darüber entscheiden, was dort geboten – und was besser verboten wird.
Die Mitsprache ist indes durch vornehm unzufriedenes Abseitsstehen nicht zu haben. Gewiss kann man darüber streiten, ob das Internet wirklich demokratische Eigenschaften hat, wie manchmal behauptet wird; aber eine Eigenschaft hat es mit der Demokratie gemein: Es verlangt die Einmischung.”

May 272010
 

Auszug aus dem Artikel „Der große Unernst“ von Thea Dorn (DIE ZEIT, 31.03.2010 Nr. 14):

“Diejenigen, die gerade an der Macht sind, übernehmen die Rolle des Beschwichtigers. Um in diesem Fach zu reüssieren, ist es unumgänglich, auf den „Ernst der Lage“ hinzuweisen und zu betonen, man tue dies „schonungslos“. Kein Regierungsdarsteller darf jedoch die Bühne verlassen, ohne Zeilen wie „Ich habe den Eindruck, dass die Dinge gut vorangehen“ oder „Ich versichere Ihnen, wir sind auf einem guten Weg“ abgeliefert zu haben. Das Orchester möge weiterspielen, auch wenn die ersten brennenden Balken auf die Hinterbühne krachen.
Diejenigen, die gerade nicht an der Macht sind, versammeln sich zum Erregungschor. So laut wie möglich deklamieren sie, die Regierenden seien komplett unfähig, noch das geringste Problem in den Griff zu bekommen. Der Weltenbrand drohe, wenn der Zuschauer sich nicht bald entschlösse, sie, die anderen, an die Macht zu bringen.
[…]
Der global vernetzte Zuschauer des frühen 21. Jahrhunderts hat seinen Instinkt für die Realität verloren. Seine eigene Urteilskraft reicht nicht mehr aus, um zu entscheiden, wo der Theaterdonner aufhört und die wirkliche Bedrohung anfängt. Auch die Medien helfen ihm nicht, wenn es darum geht, Sinne und Verstand zu schärfen. Im Gegenteil: Immer schneller und unter immer grelleren Jahrmarktsklängen treiben sie das Karussell der schlechten Nachrichten aus aller Welt an.
[…]
Doch wenn er die überreizten Augen für einen Moment schließt, kommt die Angst, und er fleht nach Politikern, die versprechen, dass ihm in seiner Nussschale nichts zustoßen wird, ganz gleich, wie wild die Wogen draußen toben.
[…]
In der sogenannten Informationsgesellschaft, bei der sich in Wahrheit um eine Gesellschaft handelt, in der keiner mehr weiß, welche Information er noch glauben und was er mit all den Informationen, die er sekündlich abrufen kann, anfangen soll, wird Glaubwürdigkeit zum letzten Fetisch.
[…]
Mehr Ernsthaftigkeit wagen! Dies wäre der Satz der Stunde. Aber wer soll ihn sagen?”

Den vollständigen Artikel findet man unter: http://www.zeit.de/2010/14/Unernst

May 142010
 

Frank Bußmann kommentiert in der Westfälischen Rundschau den Dortmunder Wahlsonntag.

“Die politische Landschaft in Dortmund besteht aus zwei Blöcken: die so genannten Bürgerlichen/Konservativ-Liberalen sowie das Spektrum Mitte-Links mit seiner eindeutigen Mehrheit.

(…)

Die großen Parteien verlieren weiter an Zustimmung. Die SPD hat in den letzten 20 Jahren fast 60 000 Wähler verloren. Dortmund als viel zitierte Herzkammer der Sozialdemokratie hat Rhythmusstörungen, aber die CDU bekommt – Ausnahme 1999 – kein Bein an die Erde.

(…)

Zwei Dinge bleiben zudem festzuhalten: Mit einem OB Ullrich Sierau und einer Regierungsbeteiligung der SPD im Land wird die Achse Dortmund – Düsseldorf wieder gestärkt. Das andere betrifft die Politik in Dortmund. Der Blick auf die Zahlen der Statistiker zeigt eine Präferenz für eine rot-grüne Politik.