Okt 162014
 

“Der Versuch, das Teersand-Öl aus Europa herauszuhalten, ist gescheitert. (…)

Nur wenige Tage nach dem offiziellen Abschluss der Verhandlungen zum europäisch-kanadischen Freihandelsabkommen CETA hat die kanadische Regierung damit erreicht, was sie seit Jahren fordert: Freien Zugang auf den europäischen Markt und keine Schutzklauseln gegen ihre Klimakiller. Während die Europäer aus Gründen des Klimaschutzes eine genaue Bewertung des „dreckigen Öls“ für nötig hielten, trommelte die kanadische Politik im Schulterschluss mit der Ölindustrie auf beiden Seiten des Atlantiks für ihr Produkt. (…)

Der neue Vorschlag folgt auf eine umfangreiche Lobbykampagne der Kanadier: Minister und Abgeordnete besuchten die Brüsseler Büros, heuerten PR-Firmen an und entwarfen eine geheime Lobby-Strategie namens „Pan European Oil Sands Advocacy Plan“. Allein in den ersten zwei Jahren organisierten die Kanadier 110 Lobby-Veranstaltungen in Europa, mehr als einen pro Woche. Sie stellten mit zweifelhaften Gutachten die wissenschaftlichen Studien der EU infrage, flogen EU-Politiker zu einseitigen Informationsbesuchen nach Kanada und fanden unter konservativen Energiepolitikern und europäischen Industrievertretern willige Partner.

Der Umweltverband „Friends of the Earth Europe“ in einer Recherche über „Kanadas dreckiges Lobby-Tagebuch“: „Diese konzertierte und gut geplante Lobbykampagne zielte darauf, die europäischen Entscheider in die Irre zu führen und zu spalten, um eine Entscheidung über die Emissionswerte der Teersände zu verzögern.“ Die internen Papiere, die die Umweltschützer von der EU zitieren, belegen auch, dass die Kanadier immer wieder mit dem Abbruch der CETA-Verhandlungen drohten, sollten die Europäer bei ihrer Haltung zu den Teersänden bleiben.”

(Quelle: Die Tageszeitung, 06.10.2014, http://www.taz.de/Oel-aus-Teersand/!147135/)

Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie sich kontinuierliche Lobbyarbeit in Brüssel auszahlt. Jeder, der sich mit dem Thema Teersande schon einmal beschäftigt hat, der weiß, dass deren Produktion extrem energieaufwändig und klimaschädigend ist. Zurück bleiben riesige Flächen völlig zerstörter und verdreckter Landschaft. All das weiß auch die noch amtierende EU-Kommission. Kurz vor ihrem Abgang winkt sie im Energiebereich aber plötzlich noch unglaubliche Vorhaben, wie eben Teersandölimporte oder staatliche Beihilfen für AKW-Neubauten durch. Nach mir die Sintflut. Und die Lobbyisten haben sich wieder mal durchgesetzt.

Okt 012012
 

„Ohne die Wälder gibt es keine Zukunft, für niemanden. Wenn der Planet schweigt, wie werden wir leben? Wohin werden wir gehen, wenn wir unsere Welt zerstört haben?“
Davi Kopenawa (Yanomami)

Ein Paradies auf Erden
Papageienrufe, ein Chor von Tierstimmen und Geräuschen. Dichter, grüner Wald, besprenkelt mit bunten exotischen Blumen. Flüsse voller Fische und Heimat rosafarbender Delfine. So stellen wir uns das Paradies vor, das Urbild Amazoniens, der großen, grünen Lunge der Welt. Doch das Paradies schrumpft. Etwa ein Fünftel der Waldflächen in Amazonien sind bereits verschwunden und die Rodungen gehen täglich weiter.
Eines dieser wenigen Paradiese ist der ecuadorianische Yasuní-Nationalpark im westlichen Amazonasgebiet, der 1989 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt wurde. Es ist wissenschaftlich belegt worden, dass Yasuní einer der artenreichsten Gebiete auf der Erde ist (Bass et al. 2010). Er beherbergt mehr Baumarten als ganz Nordamerika. Auf einem Baum finden sich mehr Käferarten als in ganz Europa. Fast nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele verschiedene Arten von Amphibien, Vögeln, Säugetieren und Pflanzen. Der Nationalpark ist aber auch der Lebensraum des indigenen Volkes der Huaorani und anderer Stämme, die sich vor der Zivilisation zurückgezogen haben.
Der Yasuní-Regenwald könnte bewahrt werden, gäbe es nicht die zunehmende Gier nach dem Schmierstoff der Weltwirtschaft: Erdöl. Noch immer ist Öl mit einem Anteil von ca. 35 % am Primärenergieverbrauch der weltweit wichtigste Energieträger. Die Industriegesellschaft hat einen großen Teil ihres Wohlstands auf Öl aufgebaut. Mobilität, Raum- und Siedlungsstrukturen, unser moderner Lebensstil, all dies funktioniert (momentan) nur mit Öl. 850 Mio. Barrel dieses Rohstoffs, mit einem geschätzten Wert von über 7 Mrd. Dollar, lagern unter dem Yasuní-Paradies.

Zum Wert von Öl und Wald
Was hat Vorrang, Wald oder Öl? Diese Frage stellt sich in einer ökonomisierten Welt eigentlich gar nicht mehr. Und die Bedeutung des Waldes für das Klima, für einzigartige Tier- und Pflanzenwelt inklusive vieler unentdeckter Arten und Stoffe ist nur schwer bilanzierbar. Der Nutzen bemisst sich zunächst nur nach dem (einmaligen) Verkaufswert des Holzes und des Bodens. Gegen kurzfristige Profite, den die Ölförderung, neue Weideflächen oder der Anbau von Soja bringen, haben ideelle Werte offensichtlich keine Chance (Reichholf 2010).
Jedes Jahr wird weltweit eine Fläche von ca. 13 Mio. ha Wald zerstört. (Bildlich gesprochen bedeutet dies, dass jede Minute ein Waldgebiet in der Größe der Rasenfläche aller deutschen Fußballstadien der 1. und 2. Liga abgeholzt werden). Wälder beherbergen aber nicht nur unzählige Pflanzen- und Tierarten, sie sind auch Lebensraum für rund 1,6 Mrd. Menschen. Sie bieten Schutz vor Erosion, Lawinen und Über-schwemmungen und regulieren als natürliche Speicher den Wasserhaushalt (WWF Schweiz 2011). Ein Drittel der großen Städte der Erde beziehen einen bedeutenden Teil ihres Trinkwassers aus Wäldern. Zudem speichern Wälder etwa die Hälfte des auf der Erde gebundenen Kohlenstoffs, obwohl sie „nur“ ein Drittel der Landoberfläche bedecken. Allein in der Biomasse der Wälder sind ca. 283 Mrd. t Kohlenstoff gebunden. Während ihres Wachstums nehmen Wälder Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf, speichern es in Biomasse und Boden und bilden so eine Kohlenstoff-Senke, bremsen also den Klimawandel (FAO 2010).
Doch dies alles scheint nichts wert zu sein, wenn es um schnelle Einnahmen aus der Ölförderung, dem Sojaanbau oder dem Holzverkauf geht. Einnahmen, von denen einige große Unternehmen (und ihre Aktionäre) profitieren, von denen aber nur wenig bei der breiten Bevölkerung verbleibt. Selbst dort, wo mühselige Erfolge im Waldschutz errungen wurden, wächst der Druck. Das zeigen beispielsweise die Diskussionen um das Waldgesetz in Brasilien, aber auch in vielen anderen Ländern, die noch viel ursprüngliche Natur besitzen.

Schwarze Hölle
Das Geschäft mit dem Öl ist meist dreckig und zerstörerisch (Bülow 2011). Dennoch hat bisher kein Land der Welt auf die Förderung von Erdöl verzichtet. Für den Bau der Pipelines und die Exploration des Öls wurden und werden an vielen Orten die ursprünglichen Bewohner vertrieben. Nicht nur im Amazonas-Gebiet tritt aus vielen Rohren unkontrolliert Öl aus. Flüsse werden verseucht und das Grundwasser wird verunreinigt. Das Öl enthält krebserregende Stoffe und radioaktive Elemente. Studien über die Gesundheitsrisiken in Ölförderregionen haben ergeben, dass das Krebsrisiko der Bevölkerung sich deshalb vervielfacht.
Es wäre zu einseitig, diese Problematik allein auf die Südhalbkugel zu fokussieren. So setzt beispielsweise Kanada auf die Ölförderung aus Teersanden (Greenpeace 2010). Dabei werden etwa 23 % mehr an klimaschädlichen Gasen freigesetzt als bei der konventionellen Ölför-derung. Hinzu kommt eine teils massive Waldzerstörung, die Entste-hung von giftigen Abwässern, die Verseuchung der Fische und damit der Nahrung für viele Menschen. Eine unglaubliche Fehlentwicklung, die dazu führen muss, dass die EU einen Import von Öl aus Teersanden ausschließt.
Wir sollten immer bedenken, dass die übermäßige Ölförderung vor allem durch den Energiehunger und den Lebensstil der nördlichen Industrieländer angetrieben wird. Weil einwohnerstarke Länder wie China, Indien und Brasilien mit Meilenstiefeln ebenfalls unseren Reichtumsstand entgegenstreben – wer sollte ihnen das verdenken – wird die Situation immer dramatischer. Es müsste immer mehr Öl gefördert werden, um den wachsenden Energiehunger zu stillen.
Steigender Verbrauch und knapper werdende Reserven führen zu steigenden Preisen. Deshalb werden immer größere Risiken eingegangen, um an die Ressource Öl zu gelangen. Risiken, die, wie beim Unfall der Ölplattform Deepwater Horizon (2010) und der Elgin-Havarie (2012), zu großen ökologischen und ökonomischen Belastungen werden können.

Die ITT-Initiative – ein innovativer Vorschlag
Die internationale Politik hat beim Thema Öl und Wald bisher kläglich versagt. Deshalb sind die außergewöhnlichen Vorschläge dringend erforderlich. Ein solcher Vorstoß kam von der ecuadorischen Regierung: die ITT-Initiative, benannt nach den Ölquellen Ishpingo, Tambococha, Tiputini. Der Vorschlag: Ecuador schützt den Yasuní-Nationalpark und verzichtet auf die Hälfte des Profits der möglichen Ölverkäufe. Die andere Hälfte soll die internationale Staatengemeinschaft beisteuern. Der Wald bleibt, das Öl auch. Durch den Nutzungsverzicht würden etwa 1200 Mio. t CO2-Emissionen vermieden, weitere 800 Mio. durch die nicht stattfindende Abholzung.
Die praktische Umsetzung der ITT-Initiative wäre ein Paradigmenwechsel mit Vorbildcharakter (grundlegend hierzu WBGU 2002, 2004 und 2009). Denn sie vereint drei Ziele: (1) Klimaschutz durch Nichtausbeutung fossiler Brennstoffe, (2) Erhalt der Artenvielfalt und (3) Schutz der indigenen Völker. Das Geld – schätzungsweise 3,6 Mrd. US-Dollar in 13 Jahren – soll, so ein weiteres Detail des Vorschlages, von den Vereinten Nationen in einem Treuhandfonds verwaltet werden, der ausschließlich zur Finanzierung nachhaltiger Projekte in Ecuador verwendet werden darf. Die lokale Bevölkerung soll aktiv in den Schutz des Yasuni-Nationalparks eingebunden werden. Absichernd gibt es eine Garantieerklärung der Rückzahlung der Mittel, falls eine neue Regierung in Ecuador den Vorschlag zurückziehen oder annulieren sollte.

Wir brauchen mehr als REDD
Der Yasuní-Vorschlag unterscheidet sich von dem sonst von vielen Staaten favorisierten REDD-Mechanismus (REDD = Reducing Emissions from Deforestation and Degradation), der einen finanziellen Ausgleich für die Verringerung der Entwaldung gewährleisten soll. So wichtig REDD auch sein könnte, bis heute ist die Finanzierung nicht geklärt. Eine Idee besteht darin, REDD in den Emissionshandel zu integrieren, was bedeuten würde, dass man für vermiedene Entwaldung Emissionszertifikate bekäme. Die Gefahr dabei ist, dass der Markt mit Emissionsrechten überschwemmt und die ohnehin tief-preisigen Kohlendioxid-Märkte weiter geschwächt werden könnten.
Beim Yasuni-Vorschlag verstecken sich viele Staaten hinter REDD und begründen ihre sonstige Untätigkeit damit, dass es dieser Mechanismus schon richten werde. Tut es aber nicht. Nur wenn Staaten vorangehen, wenn erneuerbare Energien den Markt erobern, wenn Eigeninitiativen von Kommunen und Regionen die Energiewende vorantreiben, wird es sichtbare Resultate geben können. Die Hoffnung auf den Emissionshandel hat sich nicht erfüllt. Ähnliches steht bei einer einseitigen Festlegung auf REDD zu befürchten.

Zur Rolle Deutschlands
Vertreter internationaler Umweltverbände sprechen zunehmend häufig vom „schlafenden Riesen“ Deutschland. Lange Zeit gehörte Deutschland zu den Antreibern des internationalen Waldschutzes. Das deutsche Engagement hatte Signalwirkung für viele andere Länder, ebenfalls mitzuziehen. Bis zum Regierungswechsel 2009 gehörte Deutschland auch zu den Unterstützern der Yasuní-Initiative. Weil man bei zahlreichen Konferenzen hatte erleben müssen, wie mühselig konkrete Beschlüsse zum Wald- oder Klimaschutz vorankamen, erkannte man Yasuní als neue Chance. Das zuständige Bundesministeri-um (BMZ) stellte – unterstützt durch fast alle Fraktionen im Deutschen Bundestag – 50 Mio. Euro jährlich für die ITT-Initiative in Aussicht.
Von dieser Vorreiterrolle ist nicht viel übrig geblieben. Zwar hat die derzeitige Bundesregierung verschiedene Versprechungen zum Wald- und Klimaschutz abgegeben, doch tatsächlich passiert ist in den letzten Jahren wenig. So droht „der Riese“ vollends einzuschlafen. Damit verliert Deutschland seine Sogwirkung und der immer notwendigere Waldschutz kommt unter die Räder. Besonders schlimm ist es bei der Yasuní-Initiative selbst.
Das BMZ blockiert die in Aussicht gestellten Gelder weiterhin. Trotz des Drucks von Umweltverbänden und der Opposition soll nichts in den Fonds fließen. Stattdessen sollten einmalig 34,5 Mio. Euro für den allgemeinen Waldschutz in Ecuador zur Verfügung gestellt werden. Nachdem sich das BMZ lange nicht mit Ecuador einigen konnte, wie das Geld zu verwenden sei, verständigte man sich im Mai 2012 doch darauf, dass wenigstens die einmalige Zahlung erfolgen soll.
Die vorgebrachten Argumente für die Ablehnung der ITT-Initiative sind fadenscheinig. Man wolle keinen Präzedenzfall schaffen, der in immer neue Forderungen münde, finanzielle Mittel zum Unterlassen von Umweltschädigungen bereitzustellen. Die deutsche Regierung negiert damit aber auch den Rat der eigenen Berater: Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen hatte in drei seiner Gutachten (WBGU 2002, 2004, 2009) die Sinnhaftigkeit von Anreizen zu Nutzungsverzichtserklärungen von Ressourcen detailliert begründet. Die ecuadorische Regierung hat da gelernt, wo die deutsche Regierung offenbar nicht lernen will.
Der Yasuní-Nationalpark ist also vorerst nicht gerettet, weil nach dem deutschen „Vorbild“ auch andere Länder ihre Zusagen für den Fonds zurücknehmen werden. Ohne Erfolgsmeldung aber wird die ecuadorianische Regierung immer mehr unter Druck, den Weg zu gehen, den sonst alle gehen. Wir, die Deutschen, hätten einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, dass ein Naturparadies doch noch gerettet wird.

Den schlafenden Riesen wecken!
Statt die Vorreiterrolle im Klima- und Waldschutz weiterzuentwickeln, scheint die deutsche Regierung nicht nur im Fall von Yasuní in eine andere Richtung zu marschieren, wie beispielsweise der Bau eines brasilianischen Atomkraftwerks in einer Risikoregion zeigt, das mit einer Hermes-Bürgschaft abgesichert werden soll. Diese Prioritätensetzung zeigt, wie verflochten man immer noch mit den alten Energiestrukturen und ihren einflussreichen Lobbys ist. Der Beschluss zum mittelfristigen Atomausstieg macht allein noch keine Energiewende – und die Wende zu einer nachhaltigen Entwicklungshilfepolitik müssen wir offenbar erst noch einleiten.
Die aktive Unterstützung der Yasuní-Initiative wäre ein innovativer Schritt in diese Richtung gewesen. In Zeiten unzureichender Ergebnisse der globalen Umweltpolitik brauchen wir mehr konkrete Projekte des Yasuní-Typs. Warum wir dafür zahlen sollen? Weil wir mitverantwortlich dafür sind, dass unser Planet abgeholzt wird. Weil in Europa kaum noch ein ursprünglicher, artenreicher Wald existiert. Weil unsere energie- und ressourcenintensive Wirtschaftsweise den Klimawandel weiter anheizt. Und weil wir es trotz unseres Reichtums bisher nicht geschafft haben, nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit zu leben.

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Literatur
Bass, M. S., A. Finer, C. N. Jenkins, H. Kreft, D. F. Cisneros-Heredia et al.: Global Conservation Significance of Ecuador’s Yasuní National Park. 2010. In: Public Library of Science 5, Nr.1: e8767. doi:10.1371/journal.pone.0008767.
Bülow, M.: Dossier Erdöl. Berlin 2011. http://www.marco-buelow.de/uploads/media/Marco_Buelow_OEl-Dossier.pdf
FAO: Global Forest Resources Assessment. Rome 2010.
Greenpeace e.V.: Ölsand-Abbau in Kanada. Hamburg 2010.
Reichholf, J. H.: Der tropische Regenwald. Frankfurt a. M. 2010.
WBGU: Entgelte für die Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter. Politikpapier 2. Berlin 2002.
WBGU: Welt im Wandel. Armutsbekämpfung durch Umweltpolitik. Hauptgutachten. Berlin 2004; insbes. Kapitel 4.2.2.6 und 5.6.
WBGU: Welt im Wandel. Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung. Hauptgutachten. Berlin 2009; insbes. Kapitel 10.5.2.
WWF Schweiz: Die Wälder der Welt. Ein Zustandsbericht. 2. Auflage. Zürich 2011.

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Dieser Artikel ist erschienen im Jahrbuch Ökologie 2013 - Wende überall? Von Vorreitern, Nachzüglern und Sitzenbleibern, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2012. Mehr Infos hier.

 

 

Nov 172011
 

Warum wir den Regenwald vor der Ölindustrie retten und dafür neue Wege gehen müssen

Das Paradies auf Erden

Papageienrufe, ein Chor von Tierstimmen und Geräuschen. Dichter, grüner Wald, besprenkelt mit bunten exotischen Blumen. Flüsse voller Fische und Heimat rosafarbender Delfine. So stellen wir uns das Paradies vor, das Urbild Amazoniens, der großen, grünen Lunge Amerikas. Doch das Paradies schrumpft. Etwa ein Fünftel der Waldflächen in Amazonien sind bereits verschwunden und die Rodungen gehen täglich unvermindert weiter.[1] Die wirklich artenreichen Lebensräume werden selbst in Südamerika immer seltener.[2]

Noch gibt es diese wildromantischen Landschaften. Eines dieser letzten Paradiese ist der ecuadorianische Yasuní-Nationalpark im westlichen Amazonasgebiet. Der Park wurde 1989 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Eine internationale Studie[3] hat belegt, dass der Yasuní einer der artenreichsten Gebiete auf der Erde ist: Er beherbergt mehr Baumarten als ganz Nordamerika. Auf einem Baum finden sich mehr Käferarten als in ganz Europa. Fast nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele verschiedene Arten von Amphibien, Vögeln, Säugetieren und Pflanzen. Der Nationalpark ist außerdem der einzige Lebensraum des indigenen Volkes der Huaorani und anderer Stämme, die sich vor der Zivilisation zurückgezogen haben.

Die schwarze Hölle unter der Erde

Alles wäre zumindest hier noch in Ordnung, gäbe es nicht die zunehmende Gier nach dem schwarzen Gold. 850 Millionen Barrel Öl, mit einem geschätzten Wert von über 7 Milliarden Dollar lagern unter dem Paradies.

Was hat Vorrang, Wald oder Öl? Diese Frage stellt sich in einer ökonomisierten Welt nicht mehr. Die Bedeutung für das weltweite Klima, die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt inklusiver vieler unentdeckter Arten und Stoffe, die wahrscheinlich sogar ökonomische Schätze bergen, sind nur schwer bilanzierbar. Der Nutzen bemisst sich nur nach dem einmaligen Verkaufswert des Holzes und des Bodens. Gegen kurzfristigen Profit, den beispielsweise Ölabbau, neue Weideflächen oder Sojaanbau bringen, haben ideelle Werte und auch langfristige Vorteile keine Chance. Daran änderten auch blumige Politikerreden und dutzende internationale Konferenzen und Vereinbarungen nichts.

Das Geschäft mit dem Öl[4] ist häufig dreckig und für viele Bewohner an den Quellen die reinste Hölle. Dennoch hat bisher kein Land auf die Förderung von Erdöl verzichten wollen. Unzählige Pipelines fressen bereits heute Schneisen in den Amazonas-Regenwald. Für ihren Bau sind zehntausende Ureinwohner vertrieben worden. Überall brennen Gasflammen, aus vielen der Rohre tritt Öl aus. Es verseucht die Flüsse, die Tiere und Pflanzen und das Grundwasser. Das Öl enthält krebserregende Stoffe und radioaktive Elemente, sein Schwefeldioxid kann Lungen- und Kehlkopfkrebs sowie Missbildungen zur Folge haben. Mehrere Studien über die Gesundheitsrisiken der Bevölkerung in den Ölförderregionen haben ergeben, dass dort das Krebsrisiko mehr als drei Mal höher ist als üblich. Die Rate der Fehlgeburten liegt zweieinhalbmal so hoch.[5] Und es wird immer weiter abgeholzt. Allein Ecuador verliert in jedem Jahr rund 150.000 Hektar Wald, 80 Prozent des ecuadorianischen Regenwaldes sind bereits verschwunden.

Ein moralisches Angebot

Doch auf einmal gibt es einen ungewöhnlichen, beispiellosen Vorstoß der ecuadorianischen Regierung: Die sogenannte ITT-Initiative (ITT: benannt nach den drei Ölquellen Ishpingo, Tambococha, Tiputini). Der Vorschlag: Ecuador schützt Yasuní und verzichtet auf die Hälfte des Profits der Ölverkäufe. Die andere Hälfte soll die internationale Gemeinschaft beisteuern. Der Wald bleibt, das Öl auch. Durch den Verzicht auf die Förderung werden insgesamt 1.200  Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden, weitere 800 Millionen Tonnen CO2 durch die nicht stattfindenden Abholzungen. Das wäre ein Paradigmenwechsel mit Vorbildcharakter. Ecuador könnte einen wichtigen Beitrag für den Schutz des Klimas, der Umwelt und für seine indigenen Völker leisten.

Die ITT-Initiative ist weltweit einzigartig und bietet einen innovativen Ansatz. Anders als der bisher von vielen Staaten favorisierte sogenannte REDD-Mechanismus[6], der lediglich einen finanziellen Ausgleich für die Verringerung der Entwaldung gewährleisten soll, vereint sie nämlich drei Ziele: Klimaschutz durch die Nichtausbeutung fossiler Brennstoffe und damit vermiedene Emissionen, Erhalt der Artenvielfalt und Schutz der indigenen Völker. Das Geld – schätzungsweise 3,6 Mrd. US-Dollar in 13 Jahren – soll verwaltet von den Vereinten Nationen in einem Treuhandfonds gesammelt werden. Das Geld aus dem Fonds soll ausschließlich zur Finanzierung nachhaltiger Projekte in Ecuador verwendet, die Bevölkerung dabei aktiv mit einbezogen werden. 100 Millionen Dollar sollen dieses Jahr noch zusammenkommen, damit das Projekt „Waldrettung“ gestartet werden kann. Ansonsten stehen nächstes Jahr die Ölfirmen und Bagger vor der Tür. Mit Chile und Spanien haben die ersten Länder in den Fonds eingezahlt, bisher ist etwa die Hälfte der Summe für dieses Jahr erreicht.

Deutschland: Vom Förderer zum Blockierer

Deutschland gehörte lange zu den Unterstützern und Antreibern des Projektes. Als ich selbst vor Jahren von der Yasuní-Initiative hörte, war ich gleich eingenommen von der Idee – hatte ich doch vorher bei zahlreichen Konferenzen erlebt, wie mühselig irgendwelche Beschlüsse zum Wald- oder Klimaschutz vorankamen. Vereinbarungen waren meist freiwillig und unverbindlich. Einige Abgeordnete unterstützten das Projekt von Beginn an und 2008 sprach sich der Deutsche Bundestag fraktionsübergreifend für eine finanzielle Beteiligung aus.[7] Heidemarie Wieczorek-Zeul und das zuständige Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) stellten 50 Millionen Euro jährlich für die ITT-Initiative in Aussicht.

Dann kam der Regierungswechsel und mit ihm der FDP-Politiker Dirk Niebel an die Spitze des BMZ. Er hielt und hält gar nichts von der Initiative und fühlt sich an Bundestagsbeschlüsse nicht gebunden. Bislang konnte ihn nichts umstimmen: Weder der Aufschrei unzähliger Umweltverbände und der ecuadorianischen Regierung, noch ein Votum des Umweltausschusses, in dem sich vor kurzem die Opposition bei einer Abstimmung über das Projekt durchsetzte. Er blockiert die Freigabe der Gelder vehement und sendet damit ein fatales Signal an viele andere Länder, die Interesse signalisieren und darauf warten, was Deutschland macht. Die Gegenargumente sind stumpf, teilweise sogar lächerlich. Allen Ernstes behauptete die Umwelt-Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser im Umweltausschuss, dass dann auch andere Länder – wie beispielsweise Saudi Arabien – berechtigt seien, ähnliche Forderungen zu stellen, um eigene Ölreserven im Boden zu lassen. Erstens ist das ecuadorianische Angebot bisher einzigartig, zweitens entscheiden wir immer wieder souverän, wenn wir Gelder bereitstellen und drittens ist Yasunís Artenvielfalt weltweit höchst selten. Der Vergleich mit dem „so artenreichen“ Saudi Arabien zeigt die Lächerlichkeit der Debatte.

Sicher kann man generell unkonventionelle Wege ablehnen, doch dann muss man zugeben, dass man die Zerstörung von Ecuadors Naturparadies zulässt. Meine Erfahrung zeigt mir, dass wir erst dann helfen, wenn es zu spät ist – wenn der Wald abgeholzt, die indigenen Stämme vertrieben, die Tiere und Pflanzen vernichtet und die Böden verseucht wurden. Dann werden Gelder fließen, um einen kleinen Teil des Waldes teuer und mühsam wieder aufzuforsten. Das ehemalige Naturparadies wird man damit nicht wieder bekommen, doch so sieht die Entwicklungspolitik leider meistens aus.

Was tun?

Deutschland muss jetzt handeln und Haushaltsmittel für das Projekt bereitstellen. Dann wären die 100 Millionen Dollar für dieses Jahr zusammen und die Initiative könnte in die Realität umgesetzt werden. Ansonsten rollen bald die Bagger. Natürlich muss gewährleistet werden, dass das Geld wirklich an die richtige Stelle fließt und Yasuní dauerhaft bewahrt wird. Doch unter der Treuhand der UN, mit der Garantie der Rückzahlung, wenn eine neue Regierung in Ecuador den Vorschlag zurückzieht, ist die Initiative kein Abenteuer. Ein Restrisiko bleibt, aber das gilt für alle Entwicklungshilfemaßnahmen.

Auch eine Reihe von Unionsabgeordneten wollen Yasuní bewahren. Wir haben und werden im Bundestag versuchen, unsere Kollegen von Union und FDP dazu zu bewegen, ihre Regierung umzustimmen oder zu überstimmen. Es kann doch nicht sein, dass ein Minister ein gesamtes Parlament überstimmt und die Regeln bestimmt. Hier gibt es die Chance zu zeigen, dass das Parlament nicht per se machtlos sondern in der Lage ist, der Regierung Aufträge zu erteilen. Aber auch der öffentliche Druck muss zunehmen. Jeder sollte sich den Aktionen[8] anschließen und seine Abgeordnete und vor allem den zuständigen Minister zum Handeln auffordern.

So wichtig der Yasuní-Nationalpark auch ist, insgesamt müssen wir unseren Umgang mit den letzten Urwäldern und Naturparadiesen auf der anderen Seite radikal verändern. Gerade wir Europäer sind mitverantwortlich dafür, auch die Wälder in Afrika, Asien und Südamerika zu bewahren. Bisher hat die Weltgemeinschaft – wie beim gesamten Klimaschutz – versagt. Yasuní bietet uns die Chance, voran zu kommen, nicht auf den letzten Blockierer zu warten. Wir müssen mehr unkonventionelle Maßnahmen ergreifen und mit denen voran gehen, die begreifen, dass wir keine zweite Welt mehr in der Tasche haben.

 


[1] Ginge es mit der Waldrodung so weiter wie bisher, würde sich der Regenwald am Amazonas bis zum Jahr 2030 um weitere 20 Prozent verkleinern.

[3] Unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)

[4] siehe zum Thema das von mir erstellte Öl-Dossier (http://www.marco-buelow.de/uploads/media/Marco_Buelow_Oel-Dossier_2011.pdf)

[5] Texaco wird vorgeworfen, 30 Jahre lang Regenwaldflächen im ecuadorianischem Amazonasbecken mit Milliarden Litern giftiger Abwässer und rund 60.000 Tonnen Schweröl verpestet zu haben (Quelle: GEO, 08/2010, S. 20).

[6] REDD = Reducing Emissions from Deforestation and Degradation, dt.: Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung

[8] z.B. von Rettet den Regenwald e.V.: https://www.regenwald.org/aktion/752/nationalpark-yasuni-in-ecuador-leben-statt-ol

 

dieser Artikel ist in einer leicht gekürzeten Version unter dem Titel “Das Paradies auf Erden” in der Ausgabe 45/11 des Freitag erschienen (http://www.freitag.de/positionen/1145-das-paradies-auf-erden)

Aug 242011
 

Warum wir nach der Abkehr von der Atomenergie jetzt auch das Öl-Zeitalter hinter uns lassen müssen

 Auf dem Weg zu einer echten Energiewende, ist der Ausstieg aus der Atomenergie nur ein wichtiger Schritt. Wenn wir den Umbau hin zu einer Versorgung mit nachhaltigen, bezahlbaren und umweltfreundlichen Energien wirklich schaffen wollen, müssen wir schleunigst auch die Wende weg vom Öl einläuten.

Erdöl als Schmierstoff der Wirtschaft

Erdöl wird sinnbildlich zu Recht als „Schmierstoff“ unserer Wirtschaft bezeichnet. Noch immer ist es mit einem Anteil von ca. 35 Prozent am Primärenergieverbrauch der wichtigste Energieträger weltweit. Die modernen Gesellschaften haben einen großen Teil ihres Wohlstands darauf aufgebaut. Mobilität, unser moderner Lebensstil – all dies funktioniert momentan nur mit Öl. Wenn wir uns in unseren Wohnungen umschauen, werden wir kaum einen Gegenstand finden, bei dem Öl – sei es als Energieträger oder als Stofflieferant – keine Rolle spielt. Wir sind reglerechte Öljunkies, abhängig von der Droge Öl, die unser materielles Leben dominiert.

Peak Oil und die risikoreiche Tiefseeförderung

Öl ist eine endliche Ressource, die uns nur noch auf absehbare Zeit zur Verfügung steht. Es wird seit Jahrzehnten weniger Öl neu entdeckt, als wir verbrauchen. Es kommt gar nicht darauf an, wann der letzte Tropfen Öl verbraucht wird, sondern wann wir Peak Oil (d.h. der Zeitpunkt, ab dem die weltweite Ölförderrate zurückgeht) erreicht haben. Denn ab diesem Zeitpunkt werden die Preise immer weiter ansteigen. Viele Experten gehen davon aus, dass wir das Ölfördermaximum bald erreicht oder bereits hinter uns gelassen haben. Deshalb gehen die großen Ölkonzerne immer höhere Risiken ein, um auch die letzten Reserven aus dem Boden zu holen. Die Explosion auf der BP-Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko hat uns die Folgen dieses Handelns erschreckend vor Augen geführt. Doch umgedacht wird nicht. Im Gegenteil: Die Förderung von Öl aus der Tiefsee geht jetzt erst richtig los.

Schmutziges Geschäft

Tankerhavarien und Bohrinselkatastrophen sind nur die medial wahrnehmbaren Spitzen der Schattenseite der Ölförderung. Für die Ölgewinnung werden Landschaften zerstört, Böden verseucht und Wälder abgeholzt. In Ecuador beispielsweise soll einer der artenreichsten Regelnwälder der Ölindustrie weichen.[1] Nachdem das Öl aus dem Boden geholt wurde, bleibt nichts als ödes, chemikalienverseuchtes Land zurück. U. a. in Kanada ist man dazu übergegangen Öl aus Schiefer und Sand zu pressen. Ein ineffizienter Vorgang, bei dem unter Einsatz vieler Chemikalien weite Landflächen zerstört und gigantische Erdmassen verbraucht werden. Abgesehen von der Naturzerstörung artet der Kampf ums Öl häufig in Konflikte oder Kriege aus. Die Verknappung des wichtigen Rohstoffes, wird viele Brandherde weiter anheizen und neue schaffen.

Wie geht es weiter?

Natürliche Herausforderungen und politische Krisen machen die Erschließung der verbleibenden Öl-Ressourcen schwieriger und teurer. Da die weltweite Bevölkerung stetig wächst, steigt gleichzeitig die Nachfrage nach Energie weiter an. Es stellt sich also die Frage, was nach dem Öl-Zeitalter kommt. Nur wer den Umstieg schnell schafft, wird seine Volkswirtschaft vor heftigen Preissteigerungen und bevorstehenden Ölschocks bewahren können. Dabei stehen zwei Strategien zur Auswahl: Weiterer Ausbau der atomaren und fossilen Energiegewinnung oder die Kombination von Energieeinsparung und Erneuerbare Energien.

100 % Erneuerbare Energien

Sowohl aus innenpolitischer (Wirtschaft, Versorgungssicherheit, Umwelt) als auch aus sicherheitspolitischer Sicht, kann nur den Erneuerbaren Energien die Zukunft gehören. Die dabei entstehenden Kosten, sind deutlich geringer, als die Folgekosten, wenn uns der Umstieg nicht gelingt. Ganz zu schweigen von den einzusparenden externen Kosten[2] und Subventionen, die immer noch in die atomaren und fossilen Energieträger fließen. Statt Pseudobekenntnisse, müssen die Fördermechanismen der Erneuerbaren Energien ausgeweitet und die bürokratischen Hemmnisse abgebaut werden. Erneuerbare Energien müssen uns nicht nur mit Strom, sondern auch mit Wärme versorgen. Wir müssen in die Kraftwärmekoppelung, intelligente Stromnetze und Speichertechnologien investieren und ambitionierte Programme zur Energieeffizienz und zur Gebäudesanierung umsetzen. Außerdem brauchen wir endlich die Konzepte, um die Wende „Weg vom Öl“ auch im Mobilitätssektor zu schaffen.[3]

Vor fünfzehn Jahren wurden die Befürworter der Erneuerbaren Energien auch in Deutschland noch verlacht. Doch allen voran Hermann Scheer war beseelt von der Vorstellung einer solaren Weltwirtschaft. Jetzt brauchen wieder eine Vision, Erfindungsgeist, kreative Ingenieure, mutige Unternehmer, die Alternativen zum Öl zu erweitern und uns endlich von der Öl-Droge zu befreien.

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Ich habe zum Thema Erdöl ein umfassendes Dossier erstellt, welches die Thesen dieses „Tachles“ vertieft und einen sachlichen Überblick über das gesamte Thema Erdöl geben soll. Das Dossier findet sich unter:  http://www.marco-buelow.de/uploads/media/Marco_Buelow_Oel-Dossier_2011.pdf


[1] siehe Öl-Dossier, S. 25

[2] externe Kosten sind Kosten, wie Umwelt- oder Gesundheitsschäden, die nicht über den Marktpreis reguliert werden, sondern von der Allgemeinheit, d.h. von Staat und Steuerzahlern und den nachfolgenden Generationen getragen werden müssen

[3] Bioenergie ist dabei keine Lösung, denn sie bringt uns andere Probleme

Jun 162011
 

‚Es gibt vermutlich‘, sagt der Risikoforscher Ortwin Renn, ‚eine Millionen extrem seltener Ereignisse mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Millionen; das heißt, dass jedes Jahr mindestens eins davon eintritt.‘ (…) Was aber wächst, ist die Folgenschwere des Desasters (in den Industrieländern steigt der Sachschaden, in eng besiedelten Ländern die Zahl der Todesopfer.). Denn zunehmend kommt es zu Sekundärkatastrophen, bei denen die technische Infrastruktur und das Krisenmanagement selbst zum Problem werden.“
(Ulrich Schnabel, ZEIT 14. April 2011)

Innerhalb eines Jahres erlebten wir mit dem Blow-Out der BP-Ölplattform Deepwater Horizon und dem Super-GAU in Fukushima gleich zwei Mega-Katastrophen, die vom Menschen verursacht wurden. Fukushima war eine von diesen Sekundärkatastrophen, welche die eigentlich vorhergehende Naturkatastrophe in ihren Ausmaßen in den Schatten stellte. Ulrich Beck schrieb in seinem Buch „Weltrisikogesellschaft“ (Suhrkamp 2007) treffend: „Das schließt ein, dass die Welt die Gefahren, die die Moderne erzeugt, nicht mehr kontrollieren kann.“ Wir Menschen haben die Möglichkeiten erworben immer ausgefeiltere und immer gefährlichere Technologien zu entwickeln. Wir waren wegen des kurzfristigen ökonomischen Vorteils bereit, das Risiko immer weiter zu steigern. Dabei haben wir den Überblick verloren. Unsere moralische, vorausschauende geistige Entwicklung konnte mit der technologischen Entwicklung nicht mithalten. Das Korrektiv versagt, die reflektierende Folgeabschätzung wurde zu einer Nische von nörgelnden Schwarzsehern. Dagegen wächst die menschliche Fähigkeit der Verdrängung mit dem Ausmaß der Katastrophen. Entsetzen, Empörung, Verarbeitung, Gewöhnung.

In der Bundestagsanhörung zum Atomausstieg im Juni 2011 sprachen gleich mehrere Sachverständige davon, dass das Restrisiko eines Super-GAUs zu einem Risiko geworden sei, dass nicht mehr ignoriert, sondern einkalkuliert werden müsse, wenn man die Technologie betreiben wolle. Doch weil in einer ökonomisierten Welt, in der ein Wachstumszwang vorherrscht, bei dem das Wachstum von Renditen wichtiger als das Wachstum von Lebensqualität ist, immer unkalkulierbare Risiken zum Geschäft gehören, führen kumulierte Restrisiken eher zum entgrenzten Kontrollverlust. Staaten, ganze Regionen können sich nicht aus dem Gefahrenbereich ausklinken. Sie könnten allerdings vorleben, dass es anders geht und die Einbahnstraße zum Kontrollverlust durchbrechen. Dass erfordert mehr als Mut, es fordert eine neue Bewusstseinsstufe des Menschen.

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